Rückblick: 250. Geburtstag im Jahr 2009

Ein guter Start ins 251. Jahr Jubiläumsfeierlichkeiten der Stadt-Apotheke gingen mit Aktionswochen zu Ende (Elztäler Wochenbericht)

Ein Vierteljahrtausend Stadt-Apotheke Waldkirch – es gibt nicht allzu viele deutsche Unternehmen, die ihre Wurzeln über einen solch gewaltigen Zeitraum zurück verfolgen können. Entsprechend hoch war das öffentliche Interesse an den Jubiläumsfeierlichkeiten der mit Abstand ältesten Waldkircher Apotheke. Der Fahrplan begann mit einem Paukenschlag: Beim Festakt am 18. April im übervollen Barocksaal des Waldkircher Elztal-Museums blickten zahlreiche Redner auf eine einzigartige Erfolgsgeschichte zurück. Die Stadt-Apotheke - so das Resumée vieler Ansprachen - repräsentiert eindrucksvoll nicht nur einen integralen Bestandteil der Waldkircher Stadt- und Wirtschaftshistorie, sondern in ihrer wechselvollen Geschichte lassen sich auch die sozial- und medizinhistorischen Umbrüche seit der frühen Goethezeit geradezu exemplarisch belegen.

Eins aber ist die Stadt-Apotheke in Waldkirch durch die Zeitläufte hindurch immer gewesen: Ein Ort, an dem Menschen stets Rat und Hilfe erfahren haben. Dieser großen Tradition fühlt sich die heutige Inhaberin, Apothekerin Dorothea Schmitt, auch heute noch verpflichtet. Nach 250 Jahren präsentiert sich die Stadt-Apotheke als moderner Partner im Gesundheitswesen auf dem neuesten technologischen Stand. Rückhaltlos bekannte sich Dorothea Schmitt stets zum Qualitätsgedanken, der nicht nur Investitionen in die Strukturqualität - wie die Umstellung auf den hochmodernen Kommissionierautomaten - umfasst, sondern auch die fortlaufende Fortbildung und Schulung aller Mitarbeiterinnen. Dass die Kandelstadt selbst stolz ist auf die „Stadt-Apotheke“, wie sie seit 1937 heißt, wurde nicht nur im Festbeitrag des Stellvertretenden Bürgermeisters Michael Behringer deutlich, sondern auch in der interessanten Sonderausstellung „Von der Heilpflanze zum modernen Arzneimittel“ im Elztalmuseum, in der zwei Monate lang anhand ausgewählter Exponate aus dem reichen Fundus der Stadt-Apotheke die Geschichte der Apotheke einerseits und die enge Verflechtung von Stadt-, Sozial- und Pharmaziegeschichte andererseits überaus anschaulich präsentiert wurde.

Mit einem Festevent am Samstag, den 25. April verneigte sich die Stadt-Apotheke vor ihren Kunden, von denen viele seit Jahrzehnten „ihrer“ Apotheke die Treue halten. In den folgenden Wochen unterstrich die Stadt-Apotheke mit einem vielfältigen Jubiläumsprogramm ihren Anspruch, ein regional verwurzelter, moderner Gesundheitsdienstleister zu sein. „Kräuterhexe“ Nicole Kaiser schlug auf einer Heilpflanzenwanderung eine Brücke vom überlieferten, alten Heilwissen zur heutigen pharmakologischen Biologie: Zahlreiche begeisterte Teilnehmer lauschten interessiert und kosteten zum Abschluss eine schmackhafte Kräutersuppe. Mehrere Vorträge über Heilpflanzen für Frauen, Nutzen und Risiken von Arzneimitteln und ein mitreißender Vortrag über Schüßler-Salze schlossen sich an. Eigens für Schulklassen wurde ein museumpädagogisch fundiertes Programm angeboten, bei dem interessante Aspekte historischer und moderner Pharmazie vorgestellt wurden. Sieben Schulklassen zeigten sich ebenso begeistert wie die begleitenden Lehrer.

Aktionswochen wie die „Venen-Check-Woche“ widmeten sich ausgewählten Themen der Gesundheitsvorsorge und fanden großen Anklang. Nicht weniger als 600 Kunden nahmen an vier spannenden Rate- und Wissensspielen teil. In Zusammenarbeit mit dem Waldkircher Kommunalen Kino „Klappe 11“ wurde die Verfilmung von Ingrid Nolls rabenschwarzer Krimikomödie „Die Apothekerin“ gezeigt.

Anlässlich des Jubliäums erschien ein aufwändig gestalteter Geburtstagskalender, in dem die Geschichte der Stadt-Apotheke für alle Interessierten nochmals nachgelesen werden kann.

„Ich bin überwältigt von der Resonanz, die unser Jubiläum gefunden hat“, zeigte sich Dorothea Schmitt mehr als zufrieden. Die Inhaberin der Stadt-Apotheke sieht das Unternehmen gut vorbereitet für die Herausforderungen der Zukunft. „Viele Gespräche und Begegnungen der letzten Wochen, aber auch der Zuspruch, den unsere sehr breit angelegten Jubiläumsaktionen erfahren haben, haben mir gezeigt, dass unser Konzept überzeugt: Mit hoher pharmazeutischer Qualität, regionaler Verwurzelung, Information und Prävention werden wir auch in Zukunft für unsere Kunden da sein.“


 

Heilkunde in Handarbeit

Artikel von Eberhard Weiß, Badische Zeitung vom 23.4.2009 WALDKIRCH.

Aus Anlass des 250-jährigen Jubiläums zeigen das Elztalmuseum und die Stadt-Apotheke eine zwar nicht sehr umfangreiche, aber dennoch interessante Ausstellung von Arbeitsgeräten einer Apotheke aus der Zeit, in der dort Salben, Pillen, Oblaten oder Zäpfchen hergestellt wurden. Kostbarstes Stück in der Ausstellung ist wohl das Ratsprotokollbuch, in dem am 25. Januar 1757 eingetragen wurde, dass sich der erste bekannte Apotheker und Stadtarzt in Waldkirch, Franz Joseph Rehrhan um die Bürgerrechte bemüht. Er heilte seine Patienten noch ausschließlich mit Heilkräutern, die in der Regel durch Trocknung haltbar gemacht wurden. Nach Angaben des Arztes wurden die Arzneimittel vom Apotheker hergestellt. Die Zahl der Arzneimittel nahm wohl rasch zu und Reisende brachten unbekannte Pflanzen und Heilkräuter mit. Große Töpfe aus Kupfer und Messing und Löffel aus Horn deuten darauf hin, dass die Pflanzen auch gekocht wurden. Der Sud wurde in Gefäßen aus Porzellan aufbewahrt, für die festen Arzneimittel wurden schön bemalte Gläser, und Dosen, auch aus wertvollen Hölzern, verwendet. Bis weit ins 19. Jahrhundert spielte die Form der Apothekerflaschen und -fläschchen eine große Rolle: Für Gifte wurden dreieckige Flaschen verwandet – eine gute Unterscheidung. Neben den Mörsern gehörten die Waagen zu den "Urgerätschaften" jeder Apotheke und auch in der Ausstellung sind schöne Stücke zu sehen. Der Apotheker lernte Zäpfchen als Heilmittel zu fertigen. Sie bestanden aus einer Grundmasse aus Hartfett – zuvor aus Kakaobutter – und dem dazu gemischten Arzneistoff. Die Masse wurde in Formen gepresst oder gegossen. Die bei den Formen liegende Klistierspritze von beträchtlichem Ausmaß gehörte sicherlich damals zu den "Horrorwerkzeugen". Eine große Anzahl "Drogen" (in der pharmazeutischen Wortbedeutung Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen bzw. Teile davon, die in der Regel durch Trocknung haltbar gemacht wurden) verdeutlichen aber auch den umfangreichen Wissensstandard des gut ausgebildeten Apothekers. Zunehmend fanden in der Heilkunde chemische Substanzen Verwendung. Nicht alle erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen und zwei kleine Packungen erinnern an die furchtbaren Auswirkungen von Kontergan.